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Susanne Krammer: „Beauty ist die liebevollste Art der Transformation.“

Die Koreanerinnen lassen sich Schnecken über ihr Gesicht kriechen statt eine gewöhnliche Gesichtsmaske zu verwenden. In Afrika und Japan gibt es im Spa Hiebe auf die Wange, um eine Anti-aging Wirkung zu erzielen. Im alten Ägypten haben sich Frauen Blut auf die Lippen getupft anstatt Lippenstift zu verwenden. Kaiserin Sissi hatte ein bleivergiftetes Gesicht durch das lose Puder, das sie sich ins Gesicht gab, nur um nobel blass zu wirken. Wir können soweit wir wollen auf der Timeline der Menschheitsgeschichte zurück gehen; der Drang bei Frauen, jung und schön zu sein, ist der kleinste gemeinsame Nenner vom alten Rom bis hin in die Hypermoderne.

In wirtschaftlich schwachen Zeiten steigt der Konsum von rotem Lippenstift


Und natürlich ist es easy zu behaupten, dass Frauen dies einzig und alleine tun, um von Männern begehrt zu werden. Aber das stimmt so nicht. Wir Frauen sind einfach von jeher spielerisch und kreativ mit unserer Wirkung auf andere Menschen umgegangen. In den wirtschaftlich schwächsten Zeiten geht der Konsum von rotem Lippenstift exponentiell durch die Decke. Auch hier macht es Sinn, dass sich die Frauen die Lippen rot schminken, weil das auf Männer anziehend wirkt. Dann packt noch ein Forscher eine Studie aus, dass rote Lippen für die Fruchtbarkeit der Frau stehen, und schon ist das Bild perfekt. 

Roter Lippenstift steht für Stärke und Unabhängigkeit


Aber steht ein roter Lippenstift nicht auch für Stärke und Unabhängigkeit? Steht er nicht auch dafür gesehen zu werden, auffallen zu wollen und zu sagen „hello, it´s me!!“? An Tagen, an denen das Selbstbewusstsein ein bisschen länger im Bett liegen bleibt, wird der knalligste Lippenstift gezückt und plötzlich sagt das Spiegelbild: „Du kannst ALLES schaffen.“

Es geht darüber hinaus, einen Mann beeindrucken zu wollen

 

Beauty ist die liebevollste Art der Transformation. Und das geht enorm weit über den Wunsch hinaus, einen Mann beeindrucken zu wollen. Zumal doch jedes Magazin der Welt und alle Umfragen bestätigen werden, dass die meisten Männer gar nicht auf rote Lippen oder zu sehr geschminkte Frauen stehen. Aber wir wissen eben alle, wie wir unsere Vorzüge hervorheben, und das ist eine Option, um die uns bestimmt viele Männer beneiden. Es geht bei Make-up darum zu zeigen, wie viele verschiedene Frauen in einer Person stecken können. Klassisch, sexy, ausgeflippt, nude, natural, freaky, die Liste geht unendlich weiter.

Wir decken uns nicht ab, wir erweitern das, was wir sind

 

Natürlich hat jede Zeit auch ihre Schönheitsideale. Auf YouTube gibt es die "Malen nach Zahlen Beauty Looks“, wo uns gesagt wird, wo genau wir Rouge und Concealer aufzutragen haben. Und es gibt Institutionen wie die Traumfabrik Hollywood, die versuchen uns eine Richtung vorzugeben. Wir wissen, dass Beauty nicht oberflächlich ist, wir decken uns nicht ab, wir erweitern das, was wir sind. Wir fühlen uns komplett ungeschminkt genau so schön wie mit Eyeliner und jeder Menge Mascara.  

Die Frage, die wir uns stellen, ist schon lange nicht mehr, wer mag mich, sondern längst, wer will ich heute sein. Folgt eurer Beauty-Intuition, lasst euch nicht verbiegen. Love yourself and share your love. Geht raus und gebt mit eurer Schönheit an. Und zum Glück muss keine Frau auf der Welt mehr wie Kaiserin Sissi mit einem bleivergifteten Gesicht durch ihr Leben steuern.

Susanne Krammer ist CEO und Founder des June Mags. 

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