Women We L.O.V

Stefanie Luxat über Female Empowerment

Warum wir alle Heldinnen sind!
Stefanie Luxat

Wenn ich an Female Empowerment denke, habe ich kein besonders schickes Büro vor Augen, sondern einen schlichten Kreißsaal. Die Geburt eines Kindes hat mir viel beigebracht über die Unterstützung von Frauen. Darüber wie stark wir sind, wenn wir einfach an uns glauben und alles geben. Darüber wie wenig es braucht, um sich gegenseitig zu stärken.

Bei einer Geburt treffen sich meist im Kreißsaal zwei Frauen, die sich noch nie zuvor gesehen haben. Die eine, die Schwangere, ist in Not, hat Schmerzen, Angst, weiß nicht, was die Zukunft bringt. Die andere, die Hebamme, ist sehr wahrscheinlich schwer beschäftigt, hat gar nicht nur Augen und Ohren für die Frau, muss sich noch parallel um andere kümmern. Und dennoch bleibt sie ganz ruhig, gibt der Schwangeren das Gefühl, in Sicherheit zu sein. So sein zu dürfen wie sie ist. Dass sie es schaffen wird, was vor ihr liegt. Ermutigt sie, auf sich zu hören. Sie wisse genau, was zu tun ist. So wächst die Gebärende über sich hinaus. Schafft das Unvorstellbare und spürt danach großen Stolz.

Wenn es gut läuft. Muss es nicht immer. Es gibt auch ruppige Hebammen. Aber dazu gleich mehr.

Ich fand (die meisten) Frauen per se schon immer cool, aber nachdem ich unser erstes Kind auf die Welt gebracht hatte, hielt ich sie für die größten Rockstars aller Zeiten.

Ich fragte mich, warum wir Frauen nicht viel stolzer durchs Leben gingen. Uns ständig dafür feiernd, wie großartig wir sind.

Statt uns mit Selbstzweifeln auszupeitschen und leider auch oft gegenseitig.

Ich sah meine kleine frisch geborene Tochter an und wusste, sie ist schon jetzt eine Heldin. Und dennoch werde ich niemals ein „The Future is Female“-T-Shirt tragen. Ich käme mir meinem zweiten Kind gegenüber, meinem Sohn, vor wie eine Verräterin. Auch meinem Mann gegenüber, der mich ständig empowert, fände ich es nicht fair.

Ich bin dankbar für alle Rechte, die uns unsere Vorgängerinnen erkämpft haben. Ich weiß, dass es für uns Frauen noch viel zu tun gibt. Dass es noch nicht lange her ist, dass wir nicht wählen, keine eigenen Bankkonten eröffnen durften, unser Gehalt immer noch oft geringer ist als das vieler Männer, es gläserne Decken beim Erklimmen bestimmter Jobpositionen gibt. Und ich kämpfe gern mit, tue was ich kann, dass wir Frauen es in vielen Bereichen hoffentlich noch einfacher haben werden.

Nur degradiere ich dafür keinen Mann. Und ich tue auch nicht so, als gäbe es nur nette Frauen. Ich wurde von wunderbaren Männern beruflich gefördert. Auf herrlich unaufgeregte Art und Weise. Genau so gab es Männer, die sich mir in den Weg stellten, als sie Konkurrenz rochen oder sich nicht von ihren verstaubten Rollenbildern im Kopf trennen konnten.

Ich wurde auch von großartigen Frauen gefördert auf meinem Berufsweg. Sie sahen Talente in mir, von denen ich nichts ahnte, trauten mir mehr zu als ich mir selbst. Ich wurde aber auch schon von Frauen vom Weg abgebracht. Es waren Frauen, die sich öffentlich für die Frauenquote stark machen. Die sogar Initiativen für Female Empowerment im Unternehmen gründeten. Nur spielte man nicht nach ihren Regeln, war man genauso schnell raus aus ihrem Schutzbereich wie als Frau angeblich allein unter Männern.

„So ist das Leben.“ sagt meine Mutter gern. Ich hasste den Satz lange mit voller Kraft. „Kann man nicht alles ändern, wenn man es nur unbedingt will?“ fragte mein jugendliches Herz und gab alles.

Mittlerweile weiß ich: So ist das Leben. Es gibt Menschen, die tun einem gut und denen tut man gern Gutes. Und es gibt das Gegenteil. Beide Seiten erkenne ich mittlerweile schneller, komme den einen nah und halte mich bei den anderen fern. Vielleicht ist es ganz gesund, das als Frau zu verstehen. Wollen wir doch so gern gemocht werden. Vielen helfen. Vergessen uns dabei nur leider oft selbst.

Es braucht etwas Egoismus, um empowern zu können. Sonst ist es, als würde man an eine Tankstelle fahren, die keinen Sprit mehr hat. Ich bin für Empowerment. Für Frauen und Männer. Für so viele wie irgend möglich. Im Großen und Kleinen. Nur: Wir müssen uns nicht alle mögen. Wir müssen uns auch nicht alle helfen. Wir müssen nicht immer lieb sein. Wir stehen nicht mehr auf dem Schulhof, überfordert von Gruppenzwängen. Wir sind jetzt groß und dürfen uns aussuchen, mit wem wir spielen wollen. Wir dürfen der Hebamme, die mit uns zu ruppig umgeht im Kreißsaal sagen, dass wir das nicht wollen. Das wir so und so behandelt werden möchten. Wir dürfen einen Aufstand machen, bis wir uns wohlfühlen. Bis jemand da ist, der uns unterstützt.

Es hilft aber auch, daran zu denken, dass wir es im Zweifel sogar alleine schaffen, egal, was wir uns vornehmen. Weil wir Heldinnen sind. Alle. Echt jetzt. Die ein oder andere weiß es nur eben noch nicht und reißt deshalb an unserem Superheldenumhang herum. Statt sich einfach mal selbst anzuschauen und zu merken: ich hab ja auch einen ganz geilen.

Stefanie Luxat ist 38, Mutter zweier Kleinkinder, verheiratet. Journalistin, Buchautorin und berichtet in ihrem Blog-Magazin www.ohhhmhhh.de über Geschichten aus dem Leben und empowert viele, viele Frauen.