Women We L.O.V

Revolu­tionaerinnen der Wirtschaft

Wir stellen vor: Vier Gewinnerinnen des Edition F Awards!
Know-how, Engagement, Entscheidungskraft – drei Fähigkeiten, die diese Frauen auszeichnen. Ihr unbedingter Wille, unsere Wirtschaft zu erneuern, wurde vergangene Woche mit einem der wichtigsten Innovationspreise für Frauen geehrt – dem Edition F Award „25 Frauen, die unsere Wirtschaft revolutionieren”.

Anna Kaiser und Jana Tepe, Gründerinnen und Geschäftsführerinnen Tandemploy

Unser Motto: #einfachmachen
Angenehme Arbeitsbedingungen und Flexibilität werden in der Arbeitswelt von heute immer wichtiger. Daher haben Anna Kaiser und Jana Tepe 2014 Tandemploy gegründet, damit mittelständische Unternehmen genauso wie DAX-Konzerne mit der von ihnen entwickelten Software neue Anregungen für ihre Strukturen und Arbeitsmodelle bekommen – denn die digitale Wirtschaft ist ständig im Wandel. Die flexible und kollaborative Arbeitswelt ist eine Grundvoraussetzung, um als Unternehmen heute noch agil und aktiv – und damit wirtschaftlich erfolgreich – zu bleiben. Genau dieses Schema setzen sie auch in ihrer Firma um und haben so die starre 40-Stunden-Stelle durch ein flexibles Arbeitszeitmodell in interdisziplinären Teams ersetzt. Die Geschäftsführung teilen sich die beiden durch Jobsharing.
Wie sieht Ihre Vision von Arbeit im digitalen Zeitalter aus? 

Anna: Die Digitalisierung gibt uns so viele neue Möglichkeiten, Arbeit flexibler und auch einfach anders zu gestalten - und die sollten wir nutzen! Mit Tandemploy leisten wir unseren Beitrag dazu, dass Menschen in Organisationen enger zusammenarbeiten (statt zu konkurrieren), ihr Wissen teilen und dadurch neue Arbeitsformen Wirklichkeit werden lassen. Die vernetzte Organisation ist für uns ein zeitgemäßes Modell. Um dorthin zu kommen, müssen wir aber Hierarchien abbauen und Wissenssilos in Firmen miteinander verbinden. 

Was hat Sie zum Konzept Job-Sharing inspiriert? Inwiefern spielen ihre persönlichen Erfahrungen dabei eine Rolle? 

Jana: Ganz zu Beginn unserer Gründung stand die Idee, eine Jobsharing-Plattform für Menschen auf Jobsuche ins Leben zu rufen. Diese Plattform gibt es auch weiterhin neben unserer Software, die mittlerweile das Hauptprodukt ist. Mit der Software matchen wir Kollegen innerhalb von Firmen für neue Arbeitsformen aller Art, für Projekte zum Beispiel, für Mentoring-Tandems, für Jobrotationen, Jobsharings oder für Working Circles. Auch im eigenen Unternehmen experimentieren wir viel mit anderem Arbeiten: Bei uns sucht sich jeder seine wöchentliche Arbeitszeit selber aus, viele haben eine 4-Tage-Woche gewählt, wir organisieren uns einfach in Teams, die sich gut absprechen. Anna und ich teilen uns die Geschäftsführung im Jobsharing. 

Als Mutter ist es schwer wieder in den Job einzusteigen und alles unter einen Hut zu bekommen. Setzt die Idee von Tandemploy hier an? 

Anna: Absolut auch, aber eben längst nicht nur. Wenn wir nachhaltig etwas in unserer Gesellschaft und in unserer Arbeitswelt ändern wollen, müssen wir definitiv breiter ansetzen und Arbeit für alle flexibilisieren! Für Väter, für ältere Menschen, für ehrenamtlich Engagierte, Kollegen mit mehreren Projekten und und und.... 

An unser Privatleben stellen wir hohe Ansprüche. Wir möchten unsere „freie“ Zeit gut nutzen und genießen. Wir planen Abendaktivitäten, Wochenendausflüge, Reisen. Die meiste Zeit verbringt der Mensch heute jedoch auf der Arbeit. Wie stehen Sie zu dem Thema Work-Life Balance? 

Jana: Wir mögen den Begriff nicht. Er suggeriert, das Arbeit und Leben zwei unterschiedliche Dinge sind. Dabei gehört die Arbeit natürlich zum Leben dazu und sollte auch als wichtiger Bestandteil dessen gesehen werden. Arbeitszeit ist Lebenszeit! 

Mit Tandemploy wollen Sie mehr Teilzeitstellen, besonders in den höher qualifizierten Bereichen, schaffen. Gilt dies insbesondere für Frauen? Die Quote von Frauen in Führungspositionen ist immer noch zu niedrig. 

Jana: Wir setzen uns mit unserer Software generell für "Neues Arbeiten" ein - und das ist ein ganz breites Feld. Vor allem heißt es für jede Organisation und für jeden Menschen etwas anderes. Wie Anna schon sagte, richten wir uns damit an alle Menschen, die in Unternehmen arbeiten und sich andere Arbeit wünschen. Natürlich auch an Frauen und Führungskräfte, die ein anderes Bild von Führung vorleben möchten! Hier gibt es definitiv noch viel zu tun und zu verändern! 

Drei Tipps für Frauen mit unkonventionellen Start-up Ideen! 

Anna: 
  1. #einfachmachen - unser Motto :-)
  2. Humor bewahren.
  3. Mit einem Tandempartner/einer Tandempartnerin gründen. Hilft ungemein, in schweren Zeiten durchzuhalten und dabei 2. nicht außer Acht zu lassen.

Isabelle Sonnenfeld, Leiterin des Google News Lab für die DACH-Region

Zeit ist kostbar, wenn man Kinder hat
Seit 2015 leitet Isabelle Sonnenfeld das „Google News Lab“ für Deutschland, Österreich und die Schweiz. In ihrer Position arbeitet sie mit Verlagen, deren Redaktionen und Journalist/innen, sowie Medien-Startups zusammen, um Innovationen im digitalen Journalismus zu fördern. Wichtige Themen sind dabei unter anderem Datenjournalismus, Fehlinformation und die Förderung des journalistischen Nachwuchses. Gemeinsam mit David Noel hat sie 2015 die Event- und Podcastreihe „Role Models“ ins Leben gerufen: Die beiden sprechen mit bemerkenswerten, erfolgreichen Frauen, deren Geschichten und Lebenswege mutig und inspirierend sind.
Haben Sie im Laufe Ihrer Karriere selbst Erfahrungen gemacht, bei denen Sie gemerkt haben, dass es von Nachteil sein kann, eine Frau zu sein?

Isabelle: Es gab einige Situationen in denen Geschlecht vor Leistung zählte und ich als Frau einen Nachteil hatte. Ob es eine Gehaltsverhandlung war, auf Konferenz-Bühnen, oder bei Terminen mit Kunden, bei denen ich nicht ernst genommen wurde, weil ich jung, Frau und ambitioniert war. Die gläserne Decke ist leider noch immer nicht durchbrochen. Klar gab es auf meinem Karriereweg aber auch sehr viele Männer (Chefs und Kollegen), die mich gefördert und gefordert haben. Sie haben mich herausgefordert, mutiger zu sein als ich mir das manchmal selbst zugestanden hätte. Wenn ich heute merke, dass ich einen Nachteil habe, weil ich eine Frau bin, dann spreche ich das offen an. Den Mut hätte ich noch vor einigen Jahren nicht gehabt.

Sie wirken bei der Female Future Force Academy als Coach mit. Wer hat Sie inspiriert?

Isabelle: Als mich Nora und Susann von Edition F fragten, ob ich als Coach bei der Female Future Force Academy mitwirken wolle, habe ich nicht lange überlegt. Ich finde das Konzept super. Die FFF Academy erschafft nicht nur eine Community, sondern sie macht “ExpertInnenwissen” teilbar und jederzeit abrufbar. Nicht jede/r kann auf die vielen Konferenzen gehen und sich inspirieren lassen. Unter den FFF Academy Coaches gibt es ganz viele Personen, die mich inspirieren. Alle Coaches, die bei der FFF Academy mitwirken, finde ich beeindruckend und verfolge sehr genau, was sie wie und warum machen.

Kennen Sie Momente der Unsicherheit? Was baut Sie dann wieder auf? Was macht für Sie eine starke Frau aus?

Isabelle: Na klar. Unsicherheit muss aber nichts schlechtes sein. Für mich ist Unsicherheit oder auch Nervosität eigentlich oft eher ein Katalysator, noch mutiger oder selbstbewusster zu sein. Sei es auf Bühnen, wenn ich eine Keynote vor vielen Menschen halten muss, oder bei wichtigen Meetings - ich ziehe aus der Unsicherheit eher Kraft und Energie.

Sie sind Mitgründerin des „Role Models“ Podcast. Wen möchten Sie mit diesem Podcast erreichen?

Isabelle: Role Models ist eine Event- und Podcast-Reihe, die ich vor 3 Jahren gemeinsam mit meinem guten Freund David Noël gegründet habe. Neben den monatlich in Berlin stattfindenden Events möchten wir mit unserem Interview-Podcast zunächst erfolgreichen Frauen eine Bühne bieten, um ihre Geschichte über den Karriere- und Lebensweg zu hören. Es sind meistens sehr offene und häufig auch sehr persönliche Gespräche. Mit den Events und Podcasts möchten wir Frauen wie Männer inspirieren, die möglicherweise am Anfang ihrer Karriere stehen oder einen nächsten Schritt wagen möchten. Es geht uns darum, nachhaltige Verbindungen zu schaffen, Mut zu machen mutig zu sein, und zu inspirieren. Auch nach mehr als 30 Events und 30 englisch- und deutschsprachigen Podcast-Episoden sind wir immer wieder beeindruckt, wie viele tolle Frauen es gibt, die eine spannende Karriere- und Lebensgeschichte zu erzählen haben.

Man fragt sich wie Sie alles unter einen Hut bekommen. Wie lautet ihr Tipp für alle arbeitenden Mütter?

Isabelle: Noch befinde ich mich in Elternzeit (ich mache 8 Monate Elternzeit), wobei ich bereits kurz nach der Geburt meiner Tochter wieder in die Planung und Durchführung von Role Models Events und Podcasts eingestiegen bin (Role Models betreibe ich ja als Projekt neben meinem Job bei Google). Das 1. Event mit Brigitte Zypries nach der Geburt war in jedem Fall sehr aufregend für mich. Sobald ich zurück im Google Büro bin, werde ich sehr viel stärker priorisieren d.h. auch mal Nein sagen zu spannenden Projekten oder Events, Flexibilität und Gelassenheit üben, und Hilfe von anderen in Anspruch nehmen. Diese Tipps kommen von den vielen anderen arbeitenden Müttern in meinem Freundeskreis. Ich glaube ja, dass arbeitende Mütter automatisch effektiver arbeiten müssen, um alles unter einen Hut zu bekommen. Zeit ist kostbar, wenn man Kinder hat.

Sie sind eine attraktive Frau. Bleibt im Alltag einer vielbeschäftigten Unternehmerin und Mutter Zeit für Make-Up? Welches Beauty-Produkt gehört immer in Ihre Tasche?

Isabelle: Es bleibt definitiv weniger Zeit für Make-Up und Haare als vor der Geburt meiner Tochter. Das ist aber auch ok. Sie mag es glaube ich natürlicher. Ich schwöre momentan komplett auf Hautöl. Meine Haut hat sich durch die Hormone ganz schön verändert, daher achte ich mittlerweile viel mehr darauf, welches Make-up ich verwende. Ansonsten darf in meiner Handtasche nie Rouge und ein roter Lippenstift fehlen. Auch nach einem langen Tag im Büro sieht man schnell wieder fit für den Abend aus.

Verena Pausder, Gründerin und Geschäftsführerin Haba Digitalwerkstatt

Achte darauf, was du selbst willst und was dich glücklich macht
Unsere Arbeit und unsere Umwelt werden sich durch die Digitalisierung immer weiter verändern. Eine dabei wichtige Frage: Wann und wie führt man Kinder an den Umgang mit digitaler Technologie heran? Kinder mit der Digitalisierung vertraut zu machen ist das Herzensanliegen und Spezialgebiet von Verena Pausder, Gründerin der Firma „Fox & Sheep“, die Apps für Kinder im Vorschulalter entwickelt und weltweit vermarktet. Zusammen mit dem Spielwarenhersteller Haba hat Pausder als Geschäftsführerin Digitalwerkstätten eröffnet, in denen Kinder das Programmieren lernen. Außerdem ist sie Mit-Initiatorin von „Startup Teens“, einer Initiative, die Schüler/innen fürs Unternehmertum begeistern möchte.

Als Unternehmerin fungiert man als Vorbild, vor allem für junge Frauen, die sich anschauen, was Sie auf die Beine gestellt haben. Hatten Sie während Ihrer beruflichen Laufbahn mit Niederschlägen zu kämpfen und wie haben Freundinnen dazu beigetragen, sie wieder aufzubauen? 

Verena: Ja, Niederlagen habe ich schon sehr früh in meiner beruflichen Laufbahn erlebt. Nach meinem Studium gründete ich eine Salatbar - und bin grandios gescheitert. Wir haben nie eröffnet, meine Ersparnisse waren futsch und die Investoren enttäuscht. Das hat aber auch viel Druck von mir genommen immer funktionieren zu müssen, da ich gesehen habe, dass ich auch nach einem Misserfolg wieder aufstehen und weitermachen kann. Außerdem habe ich in schwierigen Phasen gelernt, um Hilfe zu bitten und nicht immer nur stark sein zu müssen. Ich habe so viel Unterstützung und Solidarität durch meine Freunde und Familie erfahren. Ein sehr schönes Gefühl zu sehen, dass sie alle an meiner Seite waren auch wenn es mal nichts zu feiern gab. 

Gab es einen Mentor/eine Mentorin an ihrer Seite oder sind Sie die Gründung alleine angegangen? 

Verena: Ich hatte tolle Mentoren auf meinem beruflichen Weg, die viele positive Weichen in meinem Leben gestellt haben und die mich bis heute begleiten. Am meisten geprägt haben mich mein Vater und zwei meiner Chefs. Was ihnen gemein ist: Sie haben mich in den richtigen Momenten ermutigt. Sie haben mir die nächsten Schritte zugetraut, wenn ich mir derer selbst noch nicht sicher war. Je weiter ich gekommen bin, desto mehr habe ich mich aber auch auf meine eigenen Stärken besonnen und ein tiefes Vertrauen in meine eigenen Fähigkeiten entwickelt. Generell ist mein Rat, Gespräche und den produktiven und inspirierenden Austausch mit anderen bewusst zu suchen und nicht zu warten bis man angesprochen wird. 

Kinder bewegen sich heute ganz selbstverständlich in der digitalen Welt. Ab welchem Alter würden Sie einen „guten“ Umgang mit digitalen Medien befürworten? Welche Schlüsselkompetenzen (digital/ analog) brauchen Kinder Ihrer Meinung nach, um in der Zukunft fit für die Arbeitswelt zu sein? 

Verena: Das ideale Einstiegsalter für die kreative Nutzung der digitalen Welt liegt unserer Erfahrung nach bei sechs Jahren. In diesem Alter beginnen die Kinder mit dem Lesen und Schreiben. Das erleichtert ihnen auch das Digitale zu erschließen. Noch entscheidender aber ist, dass Mädchen in diesem Alter genau den gleichen Mut, die gleiche Neugier und die gleiche Leidenschaft für digitale Medien mitbringen wie Jungen. Das können wir bei den Kursen und Workshops in unseren Digitalwerkstätten jeden Tag beobachten. Und dieses Potenzial müssen wir unbedingt nutzen. Denn in der Arbeitswelt der Zukunft werden unsere Kinder, Jungen und Mädchen, informatische Grundkenntnisse, Anwendungs-Know-how und Medienkompetenz brauchen. Außerdem werden kreative und flexible Problemlöser gefragt sein, die als Kompetenzen auch Ideenreichtum, Vorstellungskraft, Lernbereitschaft, Frustrationstoleranz, Resilienz und ganzheitliches Denken mitbringen.

Neben ihrem Unternehmen, sind sie Initiatorin von bundesweiten „Ladies Dinners“, welche sich zum Ziel gesetzt haben, Unternehmerinnen, Gründerinnen und Geschäftsführerinnen der Internet- und Medienbranche zu vernetzen. Was ist Ihre Motivation diesbezüglich? 

Verena: Mir war von Anfang an wichtig, dass die Frauen nach dem Dinner sagen: „Das hat mir richtig was gebracht!“. Meine Motivation war also, dass ein echtes, ein lebendiges Netzwerk entsteht - und ein geschützter Raum, in dem Frauen ehrlich über ihre Erfahrungen, Erfolge und Misserfolge sprechen können. Die „Ladies Dinners“ sind dabei Katalysator und Plattform für den zugleich wertschätzenden und unkomplizierten Austausch der Gründerinnen abseits von Veranstaltungen und ihrem Büroalltag. Inzwischen sind wir in unserem „Ladies Dinners“-Netzwerk so eng verbunden, dass wir uns blind vertrauen. Wir rufen uns gegenseitig an, wenn wir Rat und Hilfe suchen - ob es um die nächste Finanzierungsrunde oder einen guten Steuerberater geht. 

Wie können sich Frauen konkret noch besser gegenseitig unterstützen? 

Verena: Es sollte keine einzige Frau geben, die andere Frauen nicht unterstützt. Wir sollten uns darüber bewusst sein: Jede Frau, die erfolgreich im Beruf ihren Weg geht und sich privat treu sein darf, ist gut, weil sie ein Vorbild ist. Jede Powerfrau lässt unser Netzwerk weiter wachsen. Wir sollten also Rat, Hilfe und Inspiration aktiv anbieten, uns gegenseitig die Bälle zuspielen und Verbindungen schaffen, die Bestand haben. Ganz konkret bedeutet das für mich: Weniger oberflächlicher Smalltalk, mehr Vertrauen und Ehrlichkeit zu- und miteinander und echtes Interesse am Fortkommen der anderen.

Das Credo der Marke L.O.V ist "LOVyourself": Welche Assoziationen weckt es Ihnen?

Verena: Für mich bedeutat das: achte darauf was du selbst willst und was dich glücklich macht! Es ist nicht wichtig es dem umfeld recht zu machen, anderen zu gefallen oder Everybodys Darling zu sein. Bleib dir und deinen Wünschen und Zielen treu, dann gefällt dir das Spiegelbild am besten!