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Women we L.O.V

L.O.V yourself!

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Wer sich selber gern das größte Stück Kuchen gibt, gilt schnell als Egoist. Unsere Autorin hat sich gefragt: warum eigentlich? Stefanie Luxat über die Liebe zu sich selbst. Und: warum es so guttut, unvernünftig zu sein. #LOVyourself
Picture Credit: Britta Sönnichsen

Gestern sagte eine Freundin mir etwas, das ich erst als unverschämt empfand und mir dann doch genauer anschaute. Ich hatte sie zum Frühstück eingeladen. Sie meinte, ich solle mir keinen Stress machen, schließlich hätte ich zwei kleine Kinder, sie würde einfach Brötchen mitbringen. Als sie den reichlich gedeckten Frühstückstisch sah, die hübschen Ziegenkäse-Varianten, Wassermelone mit Shrimps, Vanillequark mit frischen Früchten, das schöne Geschirr, lachte sie und sagte: „Das ist echt nicht böse gemeint, aber du bist so ein Luxusweibchen! Immer musst du es besonders haben!“

Ich lachte noch lauter als sie und beschloss, ihre Äußerung als Kompliment zu sehen. Weil: genau so ist es. Ich möchte es gern besonders haben. Besonders hübsch. Für mich. Und für meine Gäste. Und darin kann ich nichts Negatives finden, auch wenn meine Freundin das nicht so annehmen konnte wie es gemeint war – als kleines Geschenk an sie und mich.

„Wenn man nicht gut zu sich selbst ist, dann fällt es schwer, gut zu anderen zu sein.“ 

Die Idee, es sich maximal schön zu machen, löst bei vielen Fragen aus: Darf ich das? Ist das nicht zu egoistisch? Ist es nicht Verschwendung? Steht mir das zu? Kostet das nicht viel zu viel Geld? Müssen es nicht erst mal alle anderen hübsch haben und dann komm ich? Geht es wirklich darum im Leben? Muss ich nicht die ganze Welt retten und nicht nur mich?

Fragt man sich all das vielleicht, weil die eigentliche Frage, nämlich wie man sich selbst glücklich macht, nicht so einfach zu beantworten ist? Und im Zweifel sogar Angst macht, weil das ja hieße, sich für sich selbst einzusetzen und damit eventuell andere zurückweisen zu müssen?

„Wenn man nicht gut zu sich selbst ist,“ sagt Psychologin Laura Ritthaler, „dann fällt es schwer, gut zu anderen zu sein.“ Wenn ich an den Satz denke, sehe ich die Tankanzeige im Auto vor mir. Wie will man weiter vorankommen, wenn die Anzeige schon wie wild blinkt, aber man sich keine fünf Minuten gönnt, um kurz an die Tankstelle zu fahren und Treibstoff nachzufüllen?

Marlene-So-rensen

Picture Credit: Marlene Sörensen

 

Es hat nichts mit (viel) Geld zu tun, gut zu sich selbst zu sein. Manchmal reicht es schon, sich selbst zu fragen, worauf man jetzt richtig Lust hätte und damit zu beginnen. An einem wilden Tag einfach mal fünf Minuten aus dem Fenster zu gucken oder einen Waldspaziergang einzulegen, kann genauso guttun, wie sich etwas unvernünftig Teures zu leisten. Die Betonung liegt auf unvernünftig sein.

Erst einmal unvernünftig sein, damit man wieder vernünftig im Bezug auf sich und sein Leben sein kann.

Wenn man morgens eh schon viel zu spät dran ist, gegen alle Vernunft zurück ins Badzimmer zu gehen und sich zwei Sekunden zum Auftragen eines knalligen Lippenstifts zu nehmen. Weil einem das gleich im Auto bei jedem Blick in den Rückspiegel zum Grinsen bringen wird. Quer durch die Stadt zu fahren, weil beim Lieblingsbäcker die Quarkbrötchen nun mal am besten schmecken und ein Biss da rein genügend Energie gibt, um die Trotzphase der Kinder oder nervige Kollegen besser wegzustecken. Sich dieses eine Kleid zu gönnen, das unfassbar teuer ist, aber gerade deswegen auch so ein Kribbeln in einem auslöst, wenn man es trägt.

Einfach laut zu lachen, wenn jemand versucht, einen für das zu kritisieren, was man liebt: es sich besonders schön zu machen. Und der Person ein großes Stück Torte zu geben. Das zweitgrößte.

Stefanie Luxat ist 38, Mutter zweier Kleinkinder, verheiratet, Journalistin und berichtet in ihrem Blog-Magazin www.ohhhmhhh.de über Geschichten aus dem Leben und wie man sich dieses noch schöner machen kann.

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